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Riemenschneiderengel links

 

 
St


Abgebildete Ausführung: Echtgoldf.

geschnitzt nach Tilman Riemenschneider

TILMAN RIEMENSCHNEIDER gilt neben VEIT STOSS als bedeutendster deutscher Bildhauer der Spätgotik. Als einer der ersten Künstler seiner Zeit verzichtete er bei seinen Figuren auf eine farbige Bemalung.
Kindheit und Lehrjahre

TILMAN RIEMENSCHNEIDER wurde um 1460 in Heiligenstadt in Thüringen als Sohn eines Münzmeisters geboren. Als TILMAN etwa fünf Jahre alt war, musste sein Vater aufgrund früherer Verwicklungen in die Mainzer Stiftsfehde Heiligenstadt verlassen. Die Familie RIEMENSCHNEIDER verlor sämtlichen Besitz und zog nach Osterode, wo TILMAN seine Kinder- und Jungendjahre verlebte.

Um 1474 begann TILMAN eine Lehre als Steinbildhauer und Holzschnitzer. Er ging 1478/1479 als Handwerksgeselle auf Wanderschaft. Sie führte ihn zu seinem Onkel nach Würzburg. Ferner bereiste er Schwaben und den Oberrhein, wo er MARTIN SCHONGAUER kennen lernte, dessen Kupferstiche ihm später als Vorlagen dienten. Während dieser Reise- und Lehrjahre machte RIEMENSCHNEIDER auch Bekanntschaft mit NICOLAUS GERHAERTS und dem niederländischen Realismus. Er besuchte Holland und das Moselgebiet.

Als „Malerknecht “ wurde RIEMENSCHNEIDER am 7. Dezember 1483 in die Sankt-Lukas-Gilde der Maler, Bildhauer und Glaser in Würzburg aufgenommen.
Bürgerlicher Aufstieg

Am 28. Februar 1485 heirate er die Goldschmiedewitwe ANNA SCHMIDT, geb. UCHENHOFER. Diese Einheirat in einen bestehenden Werkstattbetrieb bedeutete für RIEMENSCHNEIDER die Übertragung von Bürgerrecht und Meisterwürde. Im Spätmittelalter war dieser Weg des gesellschaftlichen Aufstiegs durchaus üblich. ANNA SCHMIDT brachte außer Status und Vermögen drei Söhne mit in die Ehe. Sie starb bereits 1494 und hinterließ TILMAN die gemeinsame Tochter GERTRUD.1497 ging RIEMENSCHNEIDER mit ANNA RAPPOLD seine zweite Ehe ein. Sie verstarb ihm neunten Ehejahr. RIEMENSCHNEIDER zeugte mit ihr eine Tochter und drei Söhne: JÖRG, HANS und BARTHOLOMÄUS. Ein Jahr nach dem Tod seiner zweiten Frau heiratete RIEMENSCHNEIDER 1507 ein drittes Mal. Auch MARGARETE WURZBACH starb vor ihrem Mann, der mit sechzig Jahren seine vierte Ehe einging.
Künstlerisches Werk

TILMAN RIEMENSCHNEIDER gilt als bedeutendster spätgotischer Bildschnitzer in Mainfranken ab 1490. Seine Heimatstadt Würzburg war in dieser Übergangsphase zwischen Gotik und Renaissance das Zentrum der Bildhauerkunst in Süddeutschland.

Mit seiner Werkstatt belieferte RIEMENSCHNEIDER das fränkische Gebiet mit einer Vielzahl von Figuren und Altären, wobei er bevorzugt auf Lindenholz und Sandstein zurückgriff. Bemerkenswert ist die Fähigkeit des Künstlers, in verschiedenen Materialien gleichermaßen geschickt zu arbeiten.

Seine Skulpturen zeugen von außergewöhnlicher handwerklicher Kunstfertigkeit. Ihre Wirkung beruht in erster Linie auf der stark verinnerlichten Mimik und Gestik.

Im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen verzichtete RIEMENSCHNEIDER auf die farbige Fassung seiner Bildwerke. Das Spiel des Lichts und die Beschaffenheit des Materials gewannen gegenüber der Bemalung die Oberhand.

RIEMENSCHNEIDER war bei seinem Stil und der Auswahl seiner Themen beeinflusst vom holländischen Realismus. Im Werk des Würzburger Künstlers zeigt sich das Bedürfnis, sakrale Würde durch persönliche, menschliche Nähe auszudrücken und die Heiligen in Beziehung zum menschlichen Alltag zu setzten. In seinen Bildwerken setzte sich RIEMENSCHNEIDER zum Ziel, das Leiden Christi bildhaft wiederzugeben. Mit großer innerer Anteilnahme widmete er sich seinen Hauptthemen: der Passion und der Beweinung Christi.

Neben diversen vielfigurigen großformatigen Beweinungsgruppen und zahlreichen Vesperbildern, fertigte RIEMENSCHNEIDER mehrere Porträts an. Die abgebildeten Ritter und adeligen Frauen sind gekennzeichnet von ausgeprägten Naturalismus und großer Einfühlsamkeit.

Der Würzburger Künstler stellte sich mehrfach in seinen Werken selbst dar, wie z.B. als NIKODEMUS auf der Beweinungstafel in Maidbronn oder in Gestalt des Adam auf dem Marktportal der Marienkapelle.

RIEMENSCHNEIDERs Wirkungsfeld war geographisch und zeitlich beschränkt. In der Zeit von 1485 bis 1504 erhielt er sowohl städtische Aufträge als auch Aufträge von der Kirche. Nach 1504 beschränkten sich seine städtischen Auftragsarbeiten auf kunsthandwerkliche Gegenstände. Großaufträge erhielt er von Domkapitel und Bischof. Die meisten Arbeiten fertigte RIEMENSCHNEIDER jedoch für auswärtige Kunden an.

Sein Amt als Steuer- und Schlossmeister von 1511 bis 1514 und 1517/18 beanspruchte den Großteil seiner Zeit und zog eine künstlerisch weniger produktive Zeit nach sich. Erst später widmete sich RIEMENSCHNEIDER seiner Werkstatt und seiner Rolle als Lehrer.