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Hl. Paulus

Apostel

 

 
St


Ökumenischen Heiligenlexikon!

Paulus (Saulus)

Gedenktag katholisch: 29. Juni
Hochfest, bedacht im "Eucharist. Hochgebet I"
Diözesankalender Berlin
in Antiochia: 20. März
weitere Gedenktage





Gedenktag evangelisch: 29. JuniGedenktag anglikanisch: 29. JuniGedenktag orthodox: 29. JuniGedenktag armenische Kirche: 27. Dezember
7. JuliName bedeutet: S: der Kleine (hebr.)
P: der Kleine (griech. - latein.)Apostel, Märtyrer (?)
* 10 (?) in Tarsus in Cilicien in der heutigen Türkei
† zwischen 60 und 68 in RomÜbersicht: Leben - Bedeutung - Gedenken
üMosaik aus dem 5. Jahrhundert, im Oratorium St. Andrea im erzbischöflichen Museum in Ravenna

Leben:

Paulus - hebräisch: Saulus - war Sohn vermögender jüdischer Eltern mit römischem Bürgerrecht, war aber in einer griechisch-bürgerlichen Umgebung aufgewachsen und beherrschte die griechische Sprache. Saulus erlernte den Beruf seines Vaters als Zeltteppichweber und folgte ihm auch als Anhänger der glaubenstreuen jüdischen Gruppe der Pharisäer als jüdischer Theologen im Laienstand.
Zu seiner weiteren theologischen Ausbildung ging er nach Jerusalem zu dem hoch angesehenen jüdischen Lehrer Gamaliel. Saulus' Glaubenseifer hatte zur Folge, dass er die aufkommende christliche Kirche verfolgen musste, die er für eine jüdische Sekte hielt, die vom Gesetz abwich und deshalb zerstört werden müsse (Galaterbrief 1, 13). Die Bibel erzählt, er habe im Jahr 35/36 beim Tod des Stephanus, des ersten christlichen Märtyrers, der zu Tode gesteinigt wurde, die Kleider der Steiniger bewacht.
Saulus erhielt den Auftrag, in Damaskus weitere Christenverfolgungen zu leiten, aber eine wunderbare Begegnung mit dem auferstandenen Christus vor Damaskus veränderte sein Leben von Grund auf (Apostelgeschichte 22, 5 - 16; 26, 12 - 18).
Paulus selbst bezeichnete dieses Ereignis nicht als Bekehrung, sondern als Offenbarung von Jesus Christus (Galaterbrief 1, 12). Von der übermächtigen Erscheinung Christi getroffen, fiel Saulus zu Boden und wurde - erblindet - nach Damaskus geführt. == Ananias heilte ihn und taufte ihn, er wurde Christ, Apostel und Missionar, predigte in der Synagoge von Damaskus und wurde bald schon selbst verfolgt; Freunde halfen ihm, im Jahre 38 in einem Korb über die Stadtmauer zu entfliehen (Apostelgeschichte 9, 1 - 25).
Caravaggio: Die Bekehrung des Paulus, 1600, in der Cerasi-Kapelle in der Kirche Santa Maria del Popolo in Rom
Saulus zog sich nach Arabien zurück. Als er nach Jerusalem zurückkam, war dort inzwischen Jakobus der Ältere enthauptet und Petrus aus dem Gefängnis befreit (Apostelgeschichte 12, 1 - 19). Aufenthalte in Tarsus und Antiochien - dem heutigen Antakya in der Türkei - erfüllten die nächsten Jahre. Nach einer ersten Missionsreise nach Zypern und ins südliche Kleinasien (Apostelgeschichte 13; 14) fand in Jerusalem das Apostelkonzil statt (Apostelgeschichte 15); inzwischen benutzte er seinen Namen in der griechischen Form: "Paulus"
Die kontrovers verlaufende Versammlung der konkurrierenden Parteien der jungen Kirche - wohl im Jahr 48 -, gewährte Paulus die Freiheit zu Missionsreisen zu nichtjüdischen Menschen; sein Gegenspieler war Petrus als Vertreter der Position, wonach das Christentum nicht die jüdischen Wurzeln verleugnen dürfe; die vermittelnde Position nahm der Leiter der Urgemeinde in Jerusalem, der Herrenbruder Jakobus ein. Vor allem Paulus' Drängen brachte also die junge Kirche dazu, die geistigen und räumlichen Grenzen zu sprengen und das Wurzelland Israel, in dem die junge Kirche theologisch und mentalitätsmäßig zuhause war, zu verlassen und die Heidenmission voranzutreiben.
Die zweite Missionsreise, in deren erster Phase sich Paulus von seinem seitherigen Begleiter Barnabas trennte, führte Paulus nun nach Galatien in Kleinasien, wohl im Jahr 50 in die mazedonischen Städte Philippi - heute Ruinen beim Dorf Krinides in Griechenland - und Thessaloniki, dann Richtung Süden durch Griechenland nach Korinth, wo er sich etwa in den Jahren 50 bis 52 aufhielt (Apostelgeschichte 15, 35 - 18, 22) und bei Prisca und Aquila wohnte. Die zuvor auf dem Areopag in Athen vor dem Altar des unbekannten Gottes gehaltene Predigt gehörte zu den bedeutendsten Ereignissen auf Paulus' Missionsreisen (Apostelgeschichte 17, 22 - 31).
Die dritte Missionsreise wird in der Regel auf die Jahre 53 bis 58 datiert und führte wieder nach Kleinasien mit einem Gefängnisaufenthalt in Ephesus - heute Ruinen bei Selçuk -, dann wieder durch Mazedonien und nach Korinth (Apostelgeschichte 18, 23 - 21, 14). Wichtige Ereignisse der Missionsreisen sind teilweise legendär: In Paphos stürzte der Zauberer Elymas blind zu Boden. In Lystra wurden Paulus und sein Begleiter durch ihre Heilung eines Lahmen als Erscheinung von Zeus und Hermes angesehen; man schleppte Opfertiere herbei, um sie als Götter zu verehren. In Ikonium - dem heutigen Konya - hörte Thekla seine Predigt und wurde bekehrt. Eutychos, ein Knabe, stürzte bei einer Predigt in Troas tödlich vom Fenstersims, wurde aber wieder vom Tod auferweckt. Grabplatte für den Jungen Asellus mit Petrus und Paulus, Vatikanische Museen Paulus schildert die Leiden und Strapazen seiner Reisen, immer wieder war er belastet durch Hunger, Durst, Verfolgung, Auspeitschung, Steinigung und Gefangenschaft. Den Broterwerb besorgte er teilweise durch sein Handwerk, in Korinth kehrte er deshalb bei einem Teppichweber ein. Predigt und Briefwechsel mit den von ihm neu gegründeten Gemeinden aber waren sein Hauptwerk. Die Missionsreisen führten Paulus durch die ganze damals bekannte Welt, nach Syrien, Griechenland, Italien, vielleicht sogar nach Spanien (Römerbrief 15, 24).
Griechisches Fresko: Die Umarmung von Petrus und Paulus, 12. Jahrhundert, Vatopedi-Kloster auf dem Athos
Paulus wurde nach Aufständen einer jüdischen Gruppe wohl im Jahr 57 in Jerusalem gefangen genommen (Apostelgeschichte 21, 27 - 40). Die Behörde von Cäsarea verfügte, bedingt durch sein römisches Bürgerrecht, die Überstellung nach Rom. Paulus erlebte wegen eines Schiffbruchs einen Aufenthalt - wohl im Jahr 61 - auf einer Insel "Melita", die man meist mit Malta, früher oft auch der kroatischen Adriainsel Mljet, neuerdings auch dem westgriechischen Insel Kephallinia identifiziert; danach kam er nach Rom (Apostelgeschichte 24 - 28, 16). In Rom konnte er offenbar recht frei wirken und mindestens zwei Jahre (Apostelgeschichte 28, 30) lehren und predigen. Seine Bewegungsfreiheit in Rom ist auch mit mancherlei Legenden belegt; dargestellt wurden Begegnung mit und Abschied von Petrus sowie ihr gemeinsames Auftreten vor Kaiser Nero mit dem Sturz des Magiers Simon.
Paulus starb nach verbreiteter Auffassung um das Jahr 67 in Rom und wahrscheinlich eines natürlichen Todes. Verbreitete, aber eher unwahrscheinliche Legenden lassen ihn im Sommer des Jahres 64 als Märtyrer unter Kaiser Nero im Rahmen von dessen Christenverflogung nach dem Stadtbrand sterben. Manche Indizien sprechen wie manche Legenden dafür, dass er nach vier Jahren in Rom nochmals eine Missionsreise, möglicherweise nach Spanien, unternahm
Ende des 2. Jahrhunderts entstanden Legenden von Paulus' Martyrium. Bei der legendären Enthauptung des Paulus spritze Milch auf die Henker; nach anderer Überlieferung entstanden drei Quellen aus seinem Blut; an dieser Stelle wurde später die Kirche S. Paolo alle Tre Fontane errichtet. Plantilla, eine fromme Frau, die Paulus ihren Schleier gegeben hatte, damit dieser sich die Augen verbinden könne, erhielt ihn als Reliquie zurück und sah in einer Vision Petrus und Paulus mit Siegeskronen in Rom einziehen. Ein Hirt fand den Kopf des Paulus, der nun mit dem Leichnam feierlich vereint wurde. Die zunächst in der Katakombe S. Sebastiano ad Catacumbas an der Via Appia Antica bestatteten Gebeine erhielten Ende des 4. Jahrhunderts eine Grabstätte, über der die Basilika S. Paolo fuori le mura, St. Paul vor den Mauern, errichtet wurde.

Bedeutung:

Der Schwerpunkt der Glaubensverkündigung des Paulus ist die Gnade Gottes, die er den Menschen erweist. Diese Gnade allein und nichts anderes lässt den Menschen leben, macht ihn wieder heil, rettet ihn. Auf diese Gnade hat der Mensch keinen Anspruch, er kann sie sich nicht durch Leistung verdienen. Gott schenkt seine Gnade den Menschen nicht aufgrund ihrer guten Taten, sondern einfach, weil er ein guter, menschenfreundlicher Gott ist. Paulus interpretierte den Kreuzestod Christi dahingehend, dass Gott Christus zum Sieger über die Macht der Sünde gemacht hat. Im Gegensatz zur seinerzeit herrschenden Vorstellung forderte er seine Zuhörer nicht auf, bestimmte Sünden zu bereuen, sondern vielmehr dazu, Gottes Sieg über alle Sünden durch das Kreuz Christi zu verkünden.
Fresko, 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts, Reverenda Fabbrica di San Pietro, Vatikanische Museen
Das Neue Testament enthält 13 Briefe, die Paulus als Absender nennen, von denen aber vermutlich nur sieben von Paulus selbst stammen: der 1. Brief an die Thessalonicher, der Brief an die Galater, der 1. und der 2. Brief an die Korinther, der Römerbrief, der Brief an die Philipper und der Philemonbrief. Diese Briefe gelten neben der Apostelgeschichte als wichigste Quellen, die Auskunft über das Leben von Paulus und der jungen Christenheit geben und sind ein unverzichtbarer Schatz für das theologische Verständnis des Neuen Testaments.
Nach traditioneller Auffassung verblasste Paulus' Denken schon bald neben anderen theologischen Lehren und wurde erst im 5. Jahrhundert von Augustinus und im 16. Jahrhundert von Martin Luther wiederentdeckt. Paulus scharfe Abgrenzung vom Judentum - also auch seinen eigenen Wurzeln - prägte in der Geschichte der Kirche oft ein einseitiges Verständnis des "Alten" Testaments und konnte immer wieder als Begründung für Antsemitismus gebraucht werden.

Gedenken:

Das heutige Fest, das schon im römischen Staatskalender von 354 erwähnt ist, erinnert an die angebliche Übertragung der Gebeine von Paulus vom Grab an der Straße nach Ostia in die Katakombe an der Via Appia im Jahre 258, um sie vor der Konfiszierung durch die Staatsmacht zu schützen. Dort, bei der heutigen Kirche S. Sebastiano, bezeugen Funde aus der Frühzeit, dass man die beiden Apostel Paulus und Petrus zusammen verehrte. Die Kirche S. Paolo fuori le mura, St. Paul vor den Mauern, ist nach dem Petersdom die zweitgrößte Kirche in Rom; 1823 wurde sie durch einen Brand zerstört, aber mit denselben Ausmaßen wieder errichtet.
Reliquien sind in der Kirche S. Paolo fuori le mura, der Kopf in der Lateran-Kirche, weitere in anderen römischen Kirchen, in Tarsus, London, Münster, Frankfurt, Korvey, auf Malta, in Saragossa und in Utrecht.
Die örtliche Tradition in Malta lässt den Schiffbruch auf Paulus' Reise nach Rom auf der Insel Selmunetta vor der St.-Pauls-Bucht stattfinden, auf ihr steht eine große Paulus-Statue. In Rabat auf Malta gab es - erstmals 1372 erwähnt - die Kapelle "St Paul vor den Mauern" über der Grotte, in der Paulus während seines Aufenthaltes gefangen gewesen sei. 1600 bis 1617 lebte der spanische Adlige Giovanni Beneguas in dieser Grotte und stiftete neben der Paulus-Kapelle eine Kapelle für Publius. Der Großmeister des Malteserordens, Alof de Wignacourt, erhob die Paulus- Kapelle zur Kollegiatskirche des Ordens.
Die katholische Kirche gedenkt Paulus' an weiteren Festtagen:
• am 25. Januar ist der Gedenktag Pauli Bekehrung
• am 16. April wird der Überführung der Kopfreliquie in die Lateranskirche gedacht
• der 6. Juli ist der Gedenktag an die erste Ankunft Paulus' in Rom
• der 1. September ist der Tag des Gedenkens an die Wiedererlangung seiner Sehkraft nach dem Bekehrungserlebnis vor Damaskus
18. Juli

21. Februar
El Greco: Petrus und Paulus, 1592, Hermitage in St. Petersburg

Attribute: Buch, Schwert

Patron von Rom, Umbrien, Malta, Kavala in Griechenland und Poznan/Posen in Polen; der Theologen und Seelsorger, Weber, Teppichweber, Zeltwirker, Korbmacher, Seiler, Sattler, Arbeiterinnen; der katholischen Presse; für Regen und Fruchtbarkeit der Felder; gegen Furcht und Angst, Ohrenleiden, Krämpfe, Schlangenbiss, Blitz und Hagel
Bauernregeln: "Schön zu St. Paul, " füllt Tasche und Maul."
"Peter und Paul / hat Wasser im Maul."
"Regnet es an Peter und Paul, / wird des Winzers Ernte faul."
Um Peter und Paul wird dem Korn schon mal die Wurzel faul.
"Peter und Paul hell und klar / bringt ein gutes Jahr."
Das Martyrium von Paulus und Petrus
Die Missionsreisen von Paulus
Datierung von Paulus' Aufenthalt in Korinth
Ort des Schiffbruchs von Paulus
Ort und Umstände des Todes von Paulus

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